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Frauen verbringen 25 % mehr ihrer Lebenszeit bei schlechter Gesundheit

Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer. Sie verbringen aber auch 25 % mehr ihrer Lebenszeit bei schlechter Gesundheit, neun Jahre mehr. Und das größtenteils im erwerbsfähigen Alter, nicht im hohen Alter. Hier erfährst du, was diese Zahl bedeutet, was dahintersteckt und was die Forschung darüber sagt, wie sich das ändern lässt.

Die Zahl, die die Debatte über Frauengesundheit seit ihrer Veröffentlichung beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2024 prägt, lautet: Frauen verbringen 25 % mehr ihrer Lebenszeit bei schlechter Gesundheit als Männer.

Die Untersuchung stammt vom McKinsey-Health-Institute in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum. Es war das erste Mal, dass das Ausmaß der sogenannten Gesundheitslücke zwischen den Geschlechtern global und mit dieser Genauigkeit beziffert wurde.

Frauen leben im Schnitt länger als Männer. Das galt lange als Beleg dafür, dass Frauen gesünder sind oder dass das Gesundheitssystem sie ausreichend versorgt. Die 25-Prozent-Zahl räumt mit dieser Annahme vollständig auf.

Länger zu leben ist nicht dasselbe wie gut zu leben. Frauen verbringen einen überproportionalen Teil ihres längeren Lebens mit schlechter Gesundheit, mit Einschränkungen und mit chronischem Leiden, dass das Gesundheitssystem konsequent weder verhindert noch erkannt oder behandelt hat.

Diese Lücke entspricht 75 Millionen Lebensjahren, die jedes Jahr durch schlechte Gesundheit oder frühen Tod verloren gehen. Sie zu schließen würde jeder Frau auf der Welt sieben zusätzliche gesunde Tage pro Jahr geben über ein Leben gerechnet mehr als 500 Tage. Und es würde die Weltwirtschaft bis 2040 jährlich um über eine Billion Dollar wachsen lassen.

Das sind keine Wunschprojektionen. Es sind die dokumentierten wirtschaftlichen Kosten dessen, was bereits geschieht, gemessen in gesunden Lebensjahren, die Frauen nicht bekommen.

Neun Jahre und das meiste davon im erwerbsfähigen Alter

Die durchschnittliche Frau verbringt neun Jahre mehr als der durchschnittliche Mann mit schlechter Gesundheit oder mit einer Form von Einschränkung.

Am eindringlichsten wird diese Zahl durch einen anderen Befund: Etwa die Hälfte der gesunden Jahre, die Frauen verlieren, entfällt auf das Alter zwischen 20 und 60.

Das ist keine Krankheit im hohen Alter. Das ist chronisches Leiden in genau den Jahrzehnten, in denen Frauen Karrieren aufbauen, Familien großziehen, Unternehmen führen und die Mehrheit der Gesundheitsentscheidungen für alle um sie herum treffen. Verloren gehen die Jahre der höchsten Leistungsfähigkeit, der größten Ziele und der meisten Verantwortung.

Die Erkrankungen, die dahinterstehen, sind weder selten noch biologisch rätselhaft. Es sind Erkrankungen, die hunderte Millionen Frauen betreffen, die seit Jahrzehnten dokumentiert sind und die nur einen Bruchteil der Forschungsmittel erhalten haben, der ihrer Verbreitung entsprechen würde.

PMS, Endometriose, Menopause, Migräne, Erkrankungen rund um Schwangerschaft und Geburt sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen: Diese neun Erkrankungen allein machen ein Drittel der gesamten Gesundheitslücke aus.

PMS und Menopause zusammen: Zustände, die praktisch jede Frau betreffen, die die Lebensmitte erreicht, erhielten zwischen 2019 und 2023 weniger als 1 % der Forschungsgelder, die in die Erkrankungen hinter dieser Lücke geflossen sind.

Was die Ärztinnen sagten, als sie endlich eine große Bühne bekamen

Im Oktober 2025 wurde die Folge von The Diary of a CEO mit Dr. Mary Claire Haver, Dr. Vonda Wright, Dr. Stacy Sims und Dr. Natalie Crawford zu einem der meistgeteilten Gespräche über Frauengesundheit, dass die Medien je hervorgebracht haben.

Was die Ärztinnen beschrieben, war keine neue Entdeckung. Es war eine lange dokumentierte Realität, die endlich auf einer Bühne ausgesprochen wurde, die groß genug war, um die Betroffenen zu erreichen.

Frauen kommen mit ernsthaften Symptomen in die Praxis und bekommen zu hören, das sei Stress, Angst oder einfach Teil des Frauseins. Frauen mit Endometriose warten im Schnitt sechs bis zehn Jahre auf eine Diagnose, weil ihre Schmerzen normalisiert statt abgeklärt werden. Und Frauen in der Perimenopause treten in einen der körperlich einschneidendsten Übergänge ihres Lebens ein - ohne Vorbereitung und ohne Unterstützung, weil das Medizinsystem für diese Phase nie geeignete Werkzeuge entwickelt hat.

Dr. Wright beschrieb dafür den Begriff "Whiny Woman Syndrome", das Syndrom der wehleidigen Frau. Gemeint ist das gut dokumentierte Muster, die Symptome von Frauen emotionalen, statt biologischen Ursachen zuzuschreiben. Die Folge sind verzögerte Diagnosen, unzureichend behandelte Schmerzen und Jahre des Leidens, die sich früher hätten angehen lassen, wenn man die Symptome so ernst genommen hätte wie bei einem männlichen Patienten.

Das ist keine Randbeobachtung. Es ist ein Muster, das so gut belegt ist, dass es einen Namen hat. Und die Frauen, die es erlebt haben, erkennen die Beschreibung sofort wieder.

Frauen mit sehr ernsten Erkrankungen verlieren sich jahrelang im Gesundheitssystem. Manchmal wird ihnen gesagt, das sei alles nur im Kopf, während sie in Wahrheit schwer krank sind.

Die drei Ursachen, die WEF und McKinsey identifiziert haben

Der Bericht des McKinsey-Health-Institute nennt drei strukturelle Ursachen für die Gesundheitslücke, die über alle Erkrankungen und Weltregionen hinweg gelten.

Die erste ist eine Lücke in der Wissenschaft selbst. Die weibliche Biologie ist zu wenig erforscht, Frauen waren in klinischen Studien historisch unterrepräsentiert und die Datengrundlage für Behandlungsentscheidungen beruht überproportional auf männlichen Daten.

Die zweite ist eine Lücke in der Versorgung. Selbst dort, wo das Wissen vorhanden ist, wird es nicht konsequent angewandt. Frauen stoßen auf größere Hürden beim Zugang zu Behandlung, und ihre Symptome werden häufiger abgetan oder unzureichend behandelt.

Die dritte ist eine Lücke in den Daten. Für Erkrankungen, die Frauen betreffen, gibt es seltener standardisierte Messinstrumente. Sie werden seltener in große epidemiologische Studien einbezogen. Und deshalb entsteht seltener die Evidenz, die Investitionen und politische Veränderungen anstoßen würde.

Diese drei Lücken verstärken sich gegenseitig. Unzureichende Wissenschaft erzeugt unzureichende Versorgung. Unzureichende Versorgung erzeugt unzureichende Daten. Und unzureichende Daten liefern keine Argumente für bessere Wissenschaft.

Dieser Kreislauf läuft seit Jahrzehnten. Sein Ergebnis ist die 25-Prozent-Zahl: 25 % mehr Lebenszeit bei schlechter Gesundheit bei Zuständen, die vermeidbar oder behandelbar wären oder zumindest besser verstanden, als das derzeitige System es zugelassen hat.

Die zelluläre Ebene, die in der Debatte kaum vorkommt

Die öffentliche Diskussion über die Gesundheitslücke dreht sich vor allem um Forschungsgelder, klinische Voreingenommenheit und das Fehlen von Frauen in Studien. Das alles ist real und wichtig.

Was fast nie vorkommt, ist die zelluläre Ebene: die Tatsache, dass die grundlegenden biologischen Prozesse, die die Gesundheit von Frauen erhalten, mit dem Alter selbst immer weniger Unterstützung bekommen, konkret durch den Rückgang von NAD⁺.

NAD⁺ steht hinter der Energieproduktion, der DNA-Reparatur, der Hormonbildung, der Schlafregulation, der Immunfunktion und der Entzündungskontrolle. Bei jedem Erwachsenen sinkt sein Spiegel ab Mitte 20. Im mittleren Lebensalter liegt er nur noch bei etwa der Hälfte des Höchstwerts.

Bei Frauen verläuft dieser Rückgang parallel zu den hormonellen Veränderungen von Perimenopause und Menopause. Beide Prozesse verstärken sich in ihrer Wirkung auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Das Enzym, das Progesteron produziert, braucht NAD⁺ als Cofaktor. Die Sirtuine, die Entzündungen regulieren, brauchen NAD⁺ zur Aktivierung. Und die Mitochondrien, die die Zellen all jener Gewebe versorgen, die sich während der Wechseljahre verändern, brauchen NAD⁺, um effizient Energie zu produzieren.

Der zelluläre Energiemangel durch den NAD⁺-Rückgang ist nicht getrennt von der Gesundheitslücke zu betrachten. Er ist einer der biologischen Mechanismen, die ihr zugrunde liegen und er wirkt auf einer Ebene, auf die die meisten klinischen Debatten über Frauengesundheit nie geschaut haben.

Die Gesundheitslücke bei Frauen ist ein Versagen der Forschung und ein Versagen der Finanzierung. Sie ist aber auch ein Versagen der zellulären Energieversorgung und das löst keine Politik allein.

Was es bräuchte, um die Lücke zu schließen

Der von McKinsey und dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2025 veröffentlichte Handlungsplan benennt, was strukturell nötig wäre: mehr Forschung speziell zur weiblichen Biologie, bessere nach Geschlecht aufgeschlüsselte Daten, klinische Leitlinien, die den weiblichen Krankheitsverlauf abbilden und Investitionen, die dorthin gelenkt werden, wo die Krankheitslast am höchsten und die Forschungsförderung bislang am geringsten ist.

Die Gates Foundation hat dafür 2,5 Milliarden Dollar bis 2030 zugesagt. Das Weltwirtschaftsforum hat die Global Alliance for Women's Health mit über 120 Mitgliedsorganisationen gegründet. Und jeder in Frauengesundheit investierte Dollar bringt schätzungsweise rund drei Dollar an Wirtschaftswachstum zurück.

Auf individueller Ebene bedeutet das Schließen der Lücke, dass Frauen Zugang zu Informationen über ihre eigene Biologie bekommen, die ihnen das derzeitige System nicht verlässlich gegeben hat. Dazu gehören die zellulären Mechanismen hinter ihren Beschwerden, die vorhandene Forschung dazu und Produkte, die tatsächlich mit ihrer Biologie als Entwicklungsgrundlage entstanden sind und nicht als nachträglicher Gedanke.

NMN ist eine der wenigen Longevity-Maßnahmen, deren grundlegende Studie am Menschen gezielt mit Frauen durchgeführt wurde und Ergebnisse gemessen hat, die für die weibliche Stoffwechselgesundheit unmittelbar relevant sind.

Diese Genauigkeit ist nicht der Normalfall. Sie ist das, was es konkret bedeutet, die Biologie ernst zu nehmen. Und sie ist der Mindeststandard, den Frauen immer verdient hätten.

Die sieben Tage, auf die es ankommt

Die Gesundheitslücke zu schließen, würde jeder Frau auf der Welt sieben zusätzliche gesunde Tage pro Jahr geben. Für sich genommen klingt das nach wenig. Über ein Leben gerechnet sind es 500 Tage. Und über 3,9 Milliarden Frauen sind es 75 Millionen gesunde Lebensjahre, die jedes Jahr zurückgewonnen würden - bei Erkrankungen, die bereits verstanden, bereits teilweise behandelbar und dauerhaft unterfinanziert sind.

Die 25-Prozent-Zahl ist kein Naturgesetz. Sie ist der dokumentierte Preis von Entscheidungen, die ein Gesundheitssystem und ein Forschungsbetrieb über Jahrzehnte getroffen haben. Und sie lässt sich umkehren, indem andere Entscheidungen getroffen werden. Die Dynamik dafür, bei der Finanzierung, in der Forschung, in der öffentlichen Debatte, war nie größer als jetzt.

Frauen leben länger. Sie verbringen aber auch mehr dieser Jahre bei schlechter Gesundheit, als sie müssten, und verlieren die produktivsten Jahrzehnte ihres Lebens an Erkrankungen, die nie ausreichend erforscht, nie ausreichend finanziert und nie ausreichend ernst genommen wurden.

Das ist die 25-Prozent-Zahl. Eine Zahl, die es nicht geben sollte und die eine wachsende internationale Allianz aus Forschenden, Ärztinnen und Institutionen nun zu verändern versucht. Die Frage für jede Frau, die das liest, ist, was sie in der Zwischenzeit tut, während das System die Biologie einholt, die es so lange übersehen hat.

Quellen

  • McKinsey Health Institute & World Economic Forum. (2024). Closing the women's health gap: A $1 trillion opportunity to improve lives and economies. https://www.mckinsey.com/mhi/our-insights/closing-the-womens-health-gap-a-1-trillion-dollar-opportunity-to-improve-lives-and-economies
  • McKinsey Health Institute & World Economic Forum. (2025). Blueprint to close the women's health gap: How to improve lives and economies for all. https://www.mckinsey.com/mhi/our-insights/blueprint-to-close-the-womens-health-gap
  • McKinsey Health Institute. (2024, 30. Januar). MHI unveils investment case for closing the women's health gap. https://www.mckinsey.com/about-us/new-at-mckinsey-blog/mhi-unveils-investment-case-for-closing-the-womens-health-gap
  • Gates Foundation. (2025). Gates Foundation announces catalytic funding for women-centered research. https://www.gatesfoundation.org/ideas/media-center/press-releases/2025/08/womens-health-funding-commitment
  • Haver, M. C., Wright, V., Sims, S., & Crawford, N. (2025, 16. Oktober). Hormone & fertility experts: We've been lied to about women's health. The Diary of a CEO with Steven Bartlett.
  • World Economic Forum. (2025, Januar). There's a women's health gap: Here's how to close it. https://www.weforum.org/stories/2025/01/theres-a-womens-health-gap-heres-how-to-close-it/
  • Yoshino, M., Yoshino, J., Kayser, B. D., et al. (2021). Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women. Science, 372(6547), 1224–1229. https://doi.org/10.1126/science.abe9985
  • Covarrubias, A. J., Perrone, R., Grozio, A., & Verdin, E. (2021). NAD+ metabolism and its roles in cellular processes during ageing. Nature Reviews Molecular Cell Biology, 22(2), 119–141.