Es ist eine statistische Realität, die ebenso erschütternd wie übersehen ist: Von den hunderten Milliarden Dollar, die weltweit für medizinische Forschung ausgegeben werden, fließt weniger als 1 % in die Gesundheit von Frauen über 40.
Und das, obwohl Frauen 51 % der Bevölkerung ausmachen und 80 % aller Entscheidungen im Gesundheitsbereich treffen.
Wenn wir von "Wissenschaft" sprechen, sprechen wir oft von einem System, das die Hälfte der Menschheit als Nischenmarkt behandelt und Frauen in der Lebensmitte und danach praktisch unsichtbar macht.
Der Trugschluss der Nische
Jahrzehntelang ging die Medizin davon aus, dass der männliche Körper der "universelle Standard" ist. Frauen wurden noch bis 1993 aus den meisten klinischen Arzneimittelstudien ausgeschlossen. Die Begründung der Forschenden lautete häufig, weibliche Hormonschwankungen seien zu "komplex", um sie zu untersuchen.
Diese Vernachlässigung hat eine gewaltige Wissenslücke geschaffen. Und je älter Frauen werden, desto größer wird sie.
In der akademischen Welt zeigt sich das in der sogenannten Scherengrafik: Im Bachelorstudium sind Frauen oft in der Mehrheit. Doch je weiter es Richtung Führungspositionen und Professuren geht, desto stärker bricht ihr Anteil ein.
Und ohne Frauen an der Spitze der Forschungshierarchie, die Fördergelder einwerben und lenken, bleiben genau jene Erkrankungen unbeachtet, die alternde Frauen betreffen.
Das Schweigen rund um die Menopause
Am deutlichsten zeigt sich dieses Ungleichgewicht in der Menopauseforschung. Zur Schwangerschaft, zweifellos ein wichtiges Gesundheitsthema, gibt es über 1,2 Millionen veröffentlichte Fachartikel. Zur Menopause sind es weniger als 99.000. Zur Perimenopause gerade einmal 8.000.
Dieser Datenmangel hat verheerende Folgen im echten Leben:
Das Klischee der wehleidigen Frau. Jahrelang wurden Frauen über 40 mit diffusen Beschwerden wie Erschöpfung, Brain Fog oder nachlassender Libido von Ärzten abgetan. Statt einer richtigen Diagnose bekamen sie den Rat, ein Glas Wein zu trinken oder mal wieder auszugehen.
Eine Krise der psychischen Gesundheit. Das höchste Suizidrisiko haben Frauen zwischen 45 und 55 Jahren, ein Zeitfenster, das genau mit dem hormonellen Chaos der Perimenopause zusammenfällt.
Chronische Erkrankungen. Frauen leben im Schnitt sechs Jahre länger als Männer. Aber sie verbringen 20 % mehr ihrer Lebenszeit bei schlechter Gesundheit mit chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen, um deren Lösung sich die Wissenschaft schlicht nicht gekümmert hat.
Der Preis dafür, für Männer zu entwickeln
Wer Frauen über 40 ignoriert, ignoriert auch ihre besonderen körperlichen Merkmale.
Ein Beispiel ist der Herzinfarkt, die häufigste Todesursache bei Frauen. Er zeigt sich im weiblichen Körper anders als in den "klassischen" männlichen Verlaufsmustern, die im Medizinstudium gelehrt werden. Weil die Symptome von Frauen als "untypisch" eingeordnet werden, werden sie häufiger ohne lebensrettende Behandlung aus der Notaufnahme entlassen.
Dasselbe Muster zieht sich durch den Alltag: Vom Sicherheitsgurt über die Bürotemperatur bis zum Fußballschuh ist vieles für den "Default Male" entworfen. Ältere Frauen tragen dadurch ein höheres Risiko für Verletzungen und Beschwerden.
Ein neues Feld: vorausschauende Longevity für Frauen
Mit dem wachsenden Bewusstsein für diese Lücke entsteht eine neue Welle der Longevity-Forschung. Sie fragt endlich, wie sich der weibliche Körper im Alterungsprozess unterstützen lässt, statt ihn als versagende Maschine zu behandeln.
Das Interesse an Produkten wächst, die gezielt die Zellgesundheit und den Stoffwechsel von Frauen in den hormonellen Umbruchphasen ab 40 unterstützen.
Ein Beispiel ist NMN (Nicotinamid-Mononukleotid). Es rückt in der Longevity-Diskussion zunehmend in den Mittelpunkt, weil es den NAD⁺-Spiegel unterstützen kann. Und NAD⁺ ist entscheidend für die Energieversorgung und die DNA-Reparatur im alternden Körper.
Indem sie an solchen zellulären Ursachen ansetzen, finden Frauen endlich Werkzeuge, um sich ihre Vitalität zurückzuholen, in einem System, das ihnen lange geraten hat, einfach still zu sein.
Fazit
In Frauen über 40 zu investieren ist kein Akt der Wohltätigkeit. Es ist die Voraussetzung für eine moderne, präzise Wissenschaft.
Wir können nicht weiterhin 99 % unserer Mittel für Fragestellungen ausgeben, die die späteren Lebensjahre der Mehrheit der Bevölkerung ausblenden.
Es ist Zeit, den "Default Male" als Standard abzulösen und eine Wissenschaft aufzubauen, die die Gesundheit von Frauen über die gesamte Lebensspanne ernst nimmt. Damit die 50 %, die die Welt zusammenhalten, nicht länger von genau jener Forschung übersehen werden, die sie schützen sollte.